Die Turmuhr schlägt zur Mitternacht.
Längst löste Mond die Sonne ab.
Im Uhrwerk tönt es klipp und klapp,
zur späten Nacht er just erwacht.
Mit Urgewalt den Sarg gesprengt,
erhebt er sich und blickt zum Mond,
hat seine Opfer stets verhohnt,
wenn Wonne sich mit Blut vermengt.
Die Dunkelheit ist sein Geleit,
kein Mensch entkommt der schwarzen Zeit.
Das Blut – das ist der Lebenssaft!
Das Blut – das Leben ihm verschafft!
Die Gier – wird immer größer sein!
Die Gier – sie lässt ihn nie allein!
So geh – bloß nicht aus deinem Haus!
Sonst saugt – er jeden Tropfen aus!
Rastlos treibt der Drang ihn wieder,
getrieben nur von frischem Blut,
um auszulöschen seine Glut,
zu beleben seine Glieder.
So bleich wie Marmor seine Haut,
derart hart sind seine Züge,
leer die Augen – voller Lüge,
sein Antlitz schön und gut gebaut.
Die Dunkelheit ist sein Geleit,
kein Mensch entkommt der schwarzen Zeit.
Das Blut – das ist der Lebenssaft!
Das Blut – das Leben ihm verschafft!
Die Gier – wird immer größer sein!
Die Gier – sie lässt ihn nie allein!
So geh – bloß nicht aus deinem Haus!
Sonst saugt – er jeden Tropfen aus!
Wird sie schänden und auch quälen,
Dämon der Nacht, Vampir genannt.
Kein Kreuz, kein Knoblauch ihn verbannt,
Feuer kann sein Leben stehlen.
Ewig wie der Götternamen,
gedeiht sein Dasein Nacht um Nacht,
wächst immerzu die fahle Macht,
reifen seine dunklen Gaben.
Die Dunkelheit ist sein Geleit,
kein Mensch entkommt der schwarzen Zeit.
Das Blut – das ist der Lebenssaft!
Das Blut – das Leben ihm verschafft!
Die Gier – wird immer größer sein!
Die Gier – sie lässt ihn nie allein!
So geh – bloß nicht aus deinem Haus!
Sonst saugt – er jeden Tropfen aus!
Einsam, nebelstark verhangen,
jagt er dem Blut nun hinterher,
frei, ungehemmt durch Fluss und Meer,
Tageslicht kann ihn verbannen.
Ruht selig morgens ganz allein
in seinem alten, morschen Sarg,
bis endlich naht der Turmuhr-Schlag,
um fortzuführen seine Pein.
Der Untergang ist dein Geleit,
Er holt dich in der schwarzen Zeit.
So bleib – nächtlich in deinem Haus!
Sonst saugt – dein Blut er gänzlich aus!
Die Gier – lässt dich mit ihm allein!
Die Gier – kann kaum mehr größer sein!
Das Blut – es schwindet deine Kraft!
Das Blut – verebbt dein Lebenssaft!