Tau plätschert über grünes Gras,
langsam kehrt wieder Frühling ein.
Weich geworden ist die Erde
und hat den Winter überlebt.
Hoch im Astwerk aller Bäume
hängen schon vereinzelt Blätter.
Nur die alten Nadelbäume
stehen wie eh und je noch da.
Die ersten Vögel kommen heim,
suchen kokett den Nistplatz aus,
und im dichten dunklen Walde
atmet das Leben freudvoll auf.
Frost und Kälte überstanden,
wagt sich nun Tier um Tier hervor,
und die vielen Winterschläfer
wagen sich hungrig aus dem Bau.
Unter der Erde,
still und allein.
Keimt neues Leben,
wächst und gedeiht.
Knospen und Dornen,
Licht und Verfall.
Alles kehrt wieder,
alles einmal.
Selbst der Waldsee, der vor Tagen
noch teilbedeckt grazil mit Eis,
schimmert eislos früh am Morgen,
erleichtert blicken Fische auf.
Auf dem Wasser treiben Blätter,
vom nahen Grund hinein geweht,
und die zitternd-weichen Kreise,
geformt vom Nieseln auf dem See.
Am Ufer labt sich das Getier,
stets wachsam und zum Sprung bereit,
und nach wenig Wasserschlucken
entschwindet es in Sicherheit.
Das Reh hebt witternd seinen Kopf,
verharrt am Waldesrande still,
und dann beginnt es seinen Lauf,
denn die Gefahr zieht nah heran.
Unter der Erde,
still und allein.
Keimt neues Leben,
wächst und gedeiht.
Knospen und Dornen,
Licht und Verfall.
Alles kehrt wieder,
alles einmal.
Kniend, vom Mantel tief verhüllt,
ein Mann pflanzt Blumen auf ein Grab.
Vom leichten Regen angenässt,
mit dem Spaten und der Harke.
Erst vor kurzem aufgeschüttet,
kein Grabstein steht an diesem Ort,
und die leicht beschwielten Hände
setzen bedacht die Blumen ein.
Bald darauf blühen die Astern,
im Frühlingsglanz so trostlos blau,
und aufgesetzt den schwarzen Hut,
die Hand sinkt in den Handschuh ein.
Ein letzter Blick zum Totenhain,
die langen Ehejahre fort.
Die Stiefel hallen fern im Wald,
zurück bleibt nur das feuchte Grab.
Tief in der Erde,
tief und allein.
Tief in der Erde,
wird alles sein.
Knospen und Dornen,
Licht und Verfall.
Alles kehrt wieder,
alles einmal.
Spät in der Nacht ein Kätzchen kreischt,
ein Ruf, der tief die Seele quält.
Der Wald verschluckt den letzten Laut,
und Schweigen kehrt für immer ein.
Unter der Erde,
still und allein.
Erstirbt das Leben,
geht in sich ein.
Knospen und Dornen,
Licht und Verfall.
Es vergeht wieder,
alles einmal.