Gewaltiger Drache, alt wie die Zeit,
geläutert durch Wahrheit, halt dich bereit!
Kein Wesen ist wie du geraten,
hast Freud’ an allen Rätselarten.
Dienest als Sündenbock der Menschenpest,
stellen und töten dich in deinem Nest.
Flieg fort, Drache, flieg, solang es noch geht,
kehr erst zurück, wenn die Welt dich versteht!
Weiser Drache – ich flehe dich an,
schenk’ deine Güte, entsage dem Zorn,
zeig, wie du bist, nicht wie man dich sieht,
damit man dich achtet, damit man dich liebt!
Lass strahlen dein Herz, lass leuchten dein Licht,
damit man dich verehrt und niemals vergisst!
Still sammelst du Schätze in deinem Hort,
hast kein Verlangen nach Raub und nach Mord.
Zwar ist dein Feuerodem so tödlich,
jedoch ist es beinahe unmöglich,
so schwer, sich deinen Zorn zuzuziehen,
doch wenn es geschieht, sollte man fliehen.
Denn mit gar flamm-heißem Feuerkuss
besiegelst abrupt du des Lebens Schluss.
Weiser Drache – ich flehe dich an,
schenk’ deine Güte, entsage dem Zorn,
zeig, wie du bist, nicht wie man dich sieht,
damit man dich achtet, damit man dich liebt!
Lass strahlen dein Herz, lass leuchten dein Licht,
damit man dich verehrt und niemals vergisst!
Du liebst die Musik und die Poesie,
bist kundig im Wissen alter Magie.
Niemals hast du Jungfrauen geraubt,
getrost ist der, der deinem Wort traut.
Kein Brunnen wurde von dir vergiftet,
stets ist es der Mensch, der Unheil stiftet.
So jagt man dich völlig, ganz ohne Grund,
behaftet dich schändlich, mit üblem Leumund.
Weiser Drache – ich flehe dich an,
schenk’ deine Güte, entsage dem Zorn,
zeig, wie du bist, nicht wie man dich sieht,
damit man dich achtet, damit man dich liebt!
Lass strahlen dein Herz, lass leuchten dein Licht,
damit man dich verehrt und niemals vergisst!
Missverstandener Drache – flieg, Drache, flieg…
Man versteht nicht dein Wesen – man hat dich nicht lieb!